RiesenRäderwerk
die neue infrastruktur des wiener riesenrades

das über hundert jahre alte wiener riesenrad bekommt, als wahrzeichen der stadt und symbol für den weltberühmten prater, eine moderne infrastruktur. panoramagebäude, shop, café und infopavillon gruppieren sich um ein zentrales foyer, das sich zwischen die wankelmotor ähnlichen gebäude spannt. die unterschiedlich gestalteten pavillons fügen sich gemeinsam mit dem riesenrad zu einem riesenräderwerk aus großen und kleinen rädern zusammen. – wiener prater, österreich

 

 

people

eröffnungsfeier mit RiesenRäderwerk-torte vom demel
patrick woodroffe, peter petritsch & mathis barz

zauberkünstler & mentalist derren brown & mathis barz

pläne

modell

baustelle

presse

facts & figures

 

das wahrzeichen wiens
 
das wiener riesenrad
tritt in eine neue epoche ein. als wahrzeichen der stadt und symbol für den weltberühmten wiener prater, bildet es mit seiner weithin sichtbaren silhouette einen besonderen anziehungspunkt. wie keine andere sehenswürdigkeit verbindet es tradition und moderne auf einzigartige weise. seit 2002 ist das wiener riesenrad um eine attraktion reicher: umgeben von einem historischen panorama, das die geschichte wiens von der römerzeit bis zur entstehung des wiener praters und dessen veränderungen im laufe der zeit erzählt, einem café sowie einem merchandisingbereich, erstrahlt es mit seiner weithin sichtbaren silhouette bis spät in die nacht. der besuch der neuen anlage von architekt mathis barz, die neue riesenrad-beleuchtung von licht-designer patrick woodroffe und das panorama als neue attraktion machen das riesenrad zu einem kulturellen und architektonischen erlebnis.
 
die architektur des riesenräderwerkes
einzelne, unterschiedlich gestaltete pavillons wie café-restaurant, souvenir-shop, kassa und panorama gruppieren sich um ein zentrales foyer und bilden zusammen mit dem riesenrad eine art „riesenräderwerk aus grossen und kleinen rädern“. ein vielseitiger betrieb rund um das ganze jahr ist nun möglich. durch die strukturierung des komplexes in einzelne pavillons und deren materielle differenzierung fügt sich die bebauung einerseits in die budenstadt im prater ein und hebt sich anderseits durch architektur hervor. besonders reizvoll ist der blick hinunter auf die neue infrastruktur bei einer fahrt mit dem riesenrad. „narrative architecture today“ – so lautet das credo des entwurfes von mathis barz: nicht „form follows function“ wie bei der klassischen moderne, sondern „form illustrates function“; die form der gebäude erzählt dem besucher etwas über das, was ihn im inneren erwartet und macht ihn neugierig.
 
lichtdesigner patrick woodroffe
(lichtkonzept millennium dome in london) hüllte das riesenrad in neues licht. es wird zu einer überdimensionalen lichtuhr; jeweils zwei minuten vor der vollen stunde erwacht das rad zum leben und blitzt so oft auf, wie es spät ist, ein lichtes kunstwerk mit konkretem nutzen, das von fast jedem punkt in der stadt gesehen werden kann.
 
die pavillons
unterschiedlich gestaltet, gruppieren sich rund um den unterbau des riesenrades. sie gliedern und unterteilen die neue infrastruktur in verschiedene bereiche: panorama, café-restaurant, merchandising-shop, kassa- und wc-pavillon, vip-schirm und vordach beim aufgang zum riesenrad. die pavillons sind entsprechend ihrer nutzungsanforderungen konstruktiv, materiell und farblich differenziert: gläserne transparenz für das café-restaurant, leuchtendes rot für das panorama, antrazithfarbene monolithen für den kassa-pavillon und roher sichtbeton für den unterbau des riesenrades. zwischen die einzelnen pavillons spannt sich ein zentrales foyer, von dem aus alle bereiche trockenen fusses erreicht werden können. das reuleaux-dreieck, als grundform der einzelnen pavillons, basiert auf dem prinzip einer geometrischen form aus dem maschinenbau, wie wir sie auch aus dem wankelmotor kennen; ein dreieck mit gewölbten seiten und abgerundeten ecken. sie besteht aus nur zwei unter- schiedlichen radien, hat parallel gemessen an jeder stelle den gleichen durchmesser und trotzdem ist es kein kreis!
 
café-restaurant & shop
sind durch gläserne leichtigkeit und transparenz gekennzeichnet. die minimalistische glasfassade, die sich bis zur dachkante hinauf um die zwei pavillons legt, unterstreicht die leichtigkeit der konstruktion. das café-restaurant ist multifunktional konzipiert und kann für hochzeit, ball oder fest in nur kurzer zeit dem jeweiligen anlass angepasst werden. die vorherrschende farbe ist violett. mittels zwischenstück können die fliederfarbenen tische, in der gleichen form wie das gebäude, beliebig kombiniert werden. die elegante, wengefarbene bestuhlung kontrastiert die verwendeten materialien wie glas, aluminium und naturkautschuk. der integrierte, ebenfalls violette küchenkubus öffnet sich zum gastraum hin. der gutassortierte merchandising-shop am ausgang des riesenrades ist in dezentem silber gehalten. einzelne farbakzente lockern das gesamtbild auf und schaffen eine angenehme atmosphäre. unverkleidet durchdringt einer der acht riesenrad pylonen das dach des shops und taucht mit seiner stahlstruktur im verkaufsraum wieder auf.
 
das panorama
rückt mit seiner leuchtend roten und doppelt gewölbten fassade als attraktion in den mittelpunkt. rot stellt die farbliche verbindung zu den darüber schwebenden riesenradgondeln her. die grundform des panoramas beruht erneut auf dem reuleaux-dreieck. die roten aluminiumtafeln der fassade neigen sich nach hinten und geben den blick auf das riesenrad frei. der beleuchtete hohlsockel, der das gebäude umgibt, lässt das panorama auf einem lichtring schweben. im inneren erzählt das panorama als rad der zeit bezaubernde geschichten, lädt ein zu einem streifzug durch wien und ist gleichsam ein stück biografie der stadt. eingebettet in einen rundhorizont mit karten, zeichnungen und bildern erwarten acht nostalgische riesenradwaggons die besucher. die gondeln ziehen im schritttempo, begleitet von hörbildern, auf einem begehbaren drehring an den besuchern vorbei. eine sich öffnende irisblende im dach gibt von zeit zu zeit den imposanten blick von unten auf das riesenrad frei.
 
kassa- und wc-pavillon
gleichen anthrazitfarbenen monolithen. eine mit blechschindeln verkleidete spantenbauweise aus holz macht die konstruktion der doppeltgekrümmte aussenhaut der beiden pavillons möglich. der zurückgesetzte sockel lässt die gebäude schwebend erscheinen. der kassa-pavillon hat zum öffentlichen platz hin eine schlitzartige öffnung, aus der tickets und takeaways verkauft werden.
 
das foyerdach
überspannt die zentrale zone zwischen den angrenzenden pavillons, deren fassaden das bild des raumes prägen. schwarze schieferfliesen geben dem über oblichtkuppeln beleuchteten raum den nötigen kontrast. zwei mit groschen gefüllte glasscheiben im foyer, als räderwerk in münzen, sind eine hommage an den vergangenen schilling.
 
das riesenräderwerk
als dachlandschaft des pavillon-komplexes ist besonders gut von hoch oben bei einer fahrt mit dem riesenrad zu erkennen und bildet sozusagen die zweite, aber horizontale fassade der neuen anlage.
 
das reuleaux-dreieck und die trigonometrie des kreises
die neue infrastruktur des wiener riesenrades ist in einzelne pavillons gegliedert. gemeinsam mit dem riesenrad bilden sie eine art „riesenräderwerk aus grossen und kleinen rädern“. die grundform der pavillons beruht auf dem prinzip des reuleaux-dreiecks. die form hat an jeder stelle den gleichen durchmesser und trotzdem ist es kein kreis! gewölbte seiten und abgerundete ecken machen sie schöner als den kreis und interessanter als das dreieck, ein mechanisches teil wie es auch im wankelmotor seine anwendung findet, benannt nach dem mathematiker franz reuleaux (1829 – 1905). diese form nennt man auch „kurven konstanter dicke“. sie haben eine eigenschaft mit dem kreis gemeinsam: wenn man sie zwischen zwei parallele geraden einspannt, haben diese immer den gleichen abstand, unabhängig davon, in welcher lage das reuleaux-dreieck dazwischen liegt. reuleaux war offenbar durch das problem von knöpfen und knopflöchern motiviert. ein knopf sollte ja in jeder richtung, in der man ihn durch ein knopfloch schiebt, hindurch passen. „es ist ein fehler zu glauben, dass knöpfe, um diese bedingung zu erfüllen, zwangsläufig rund sein müssen….“, bemerkte reuleaux.
 
die konstruktion erfolgt, indem man um einen zentralen kreis im winkel von 120° drei weitere kreise anordnet, jeweils mit dem selben durchmesser wie der zentrumskreis. nun schlägt man aus dem mittelpunkt der drei äusseren kreise jeweils den radius an die tangente der beiden gegenüberliegenden kreise und schliesst dadurch die form. so entsteht ein dreieck mit gewölbten seiten und abgerundeten ecken. es besteht aus nur zwei verschiedenen radien und hat parallel gemessen an jeder stelle jeweils den gleichen durchmesser! vom wankelmotor bis zum riesenräderwerk findet das reuleaux–dreieck ein weites anwendungsgebiet.
 
 
 
statement architektur 
pressekonferenz 29. april 2002
 
• wir befinden uns im prater. eine vielfalt von formen und farben kennzeichnen das erscheinungsbild der budenstadt. daraus folgte mein erster grundgedanke: die gliederung und unterteilung der neuen anlage in einzelne pavillons. sie fügt sich dadurch in ihre umgebung ein und hebt sich mit ihrer klaren und prägnanten architektur hervor.

• der zweite entwurfsgedanke betraf das spannungsfeld zwischen alt und neu; das über 100-jährige riesenrad und die neue bebauung. das riesenrad hat eine sehr klare struktur, es ist ein technisches bauwerk und hat nichts historisierendes an sich. dadurch verträgt es sich durchaus gut mit dem modernen gebäude zu seinen füssen, das so neuzeitig wie das riesenrad traditionsreich ist.
• mein dritter gedanke war der blick von oben auf die neue anlage. es gibt nur wenige gebäude, die man naturgemäss auch aus der luft betrachten kann. das zusammenspiel der einzelnen pavillons als riesenräderwerk aus grossen und kleinen rädern ist besonders gut vom riesenrad aus zu erkennen und bildet sozusagen die zweite fassade der anlage.
• grundgedanke nr. 4 war das reuleaux-dreieck als wiederkehrendes motiv. das dreieck mit gewölbten seiten und abgerundeten ecken, eine geometrische form aus der mechanik, diente mir als vorlage für die grundrisse der einzelnen pavillons bis hin zu den bistrotischen im café-restaurant. dynamischer als ein kreis, gibt es den pavillons eine ungewohnte und spannungsvolle kontur.
• narrative architecture – architektur, die etwas erzählt; so das fünfte credo; die gestaltung der einzelnen pavillons erzählt dem besucher etwas über die inhalte und macht ihn neugierig. die differenzierung der pavillons in material, form und farbe lässt auf ihre nutzungen schliessen; gläserne leichtigkeit und transparenz für shop und café-restaurant, anthrazitfarbene monolithen für kassa und wc-pavillon und leuchtendes rot für das panorama-gebäude mit seiner doppelt gewölbten hülle. rot stellt die farbliche verbindung zu den riesenradgondeln her und rückt das panorama als neue attraktion in den mittelpunkt der anlage. eine irisblende in seinem dach öffnet sich von zeit zu zeit und gibt den besuchern in seinem inneren den imposanten blick frei, auf das wahrzeichen der stadt, das wiener riesenrad.
 
 
 
interview 
 
frage: herr barz, wie sind sie an die architektonische umsetzung des
riesenräderwerks herangegangen?
barz: ich hatte zwei grundgedanken. zum einen muss die neue anlage
gegliedert sein und ein ensemble bilden. daher habe ich mich für einzelne pavillons entschieden, die im sinne der „narrative architecture“ etwas zu erzählen haben. dazu habe ich die pavillons auch nach form, farbe und materialien differenziert. zum zweiten sieht der besucher die gebäude auch von oben, vom riesenrad aus. das heisst, es genügt nicht nur eine fassade zu entwickeln, es muss eine zweite entwickelt werden. so dass die besucher vom riesenrad aus das zusammenspiel des riesenräderwerks erkennen können.
frage: als wiederkehrende grundform haben sie das releaux-dreieck gewählt.
warum?
barz: als erstes drängt sich freilich der kreis auf. ein reines räderwerk wäre aber zu direkt. ich empfinde den kreis auch als zu statisch und zu klassisch. mit dem releaux-dreieck, eine geometrische form mit gewölbten seiten und abgerundeten ecken, das gerade auch in der mechanik verwendung findet, ergibt sich ein perfektes und spannendes räderwerk.
frage: sie haben an einem traditionsreichen, um nicht zu sagen klassisch wienerischen platz gearbeitet. wie sind sie mit der spannung zwischen alt und neu umgegangen?
barz: das spannungsfeld ist wirklich gross. aber das riesenrad hat für sich genommen eine sehr klare struktur. es ist ein technisches bauwerk, es hat nichts historisierendes an sich. es ist gleichsam zeitlos. also konnte ich die anlage schlicht und prägnant entwerfen. und gerade für das praterumfeld mit seinen buden bieten sich die pavillons geradezu an. sie fügen sich zum einen ein, zum anderen heben sie sich auch wieder ab. sie nehmen die vielfalt auf.
frage: wie lange haben sie an diesem projekt gearbeitet?
barz: die planungen haben im april 2001 begonnen, der bau selbst im jänner 2002. die zeit war sehr knapp bemessen. aber das gute daran ist, dass man das ergebnis sehr bald sieht, was für den architekten immer angenehm ist. andererseits setzt man alles auf eine karte und geht damit ein hohes risiko ein.
frage: worin bestanden denn neben der kurzen zeit die herausforderungen?
barz: nun, da ist zum einen die konstruktive umsetzung der nicht einfach zu bauenden formen der gebäude und zum zweiten der untergrund, der sehr weich war und nachgab. also mussten wir stützmauern einziehen. dann stiessen wir während der arbeiten auf alte fundamente, 40 zentimeter dicke stahlbetonplatten, die wir erst entfernen mussten. aber es hat letztlich alles funktioniert.
 
 
 

credits
 
projekt: riesenräderwerk
adresse: prater 90, wien
bauherr: wiener riesenrad
ein projekt von: stefan seigner, artevent, wien
architekt: mathis barz, wien
projektleitung: robert hofferer, artevent, wien
ausführungsplanung: walter brada, wien
beleuchtung riesenrad: patrick woodroffe, london
statik: fröhlich & locher, wien
 
technische daten
 
grundstücksfläche: 3.740m²
nutzfläche: 1.820m²
bebaute fläche: 1.113m²
umbauter raum: 7.870m³
planungsbeginn: oktober 2000
baubeginn: 10. januar 2002
fertigstellung: 1. mai 2002
baukosten: 4,4 mio euro
kosten pro m² nutzfläche: 2.400 euro
 
ausführende firmen
 
teilgeneralunternehmer: porr ag, znl wien
fassade panorama: metallbau treiber, graz
spenglerei: sandriesser, wien
glasfassaden: hanausek, wien
bodenbeläge: reiß, wien
beleuchtung infrastruktur: regent, wien
beleuchtung riesenrad: patrick woodroffe / ldde, wien
bistroausstattung: pasut, tavagnacco / cento design, wien
shopausstattung: umdasch, wien